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Zwischen leisen Liedern und großen Songs

„NiJo“ in concert: Von anspruchsvollen deutschen Titeln zu vertrauten Rock- und Popklassikern

 Manche Konzerte beginnen nicht mit einem Paukenschlag, sondern mit einem vorsichtigen Annähern. Ein Akkord, eine Melodie, ein Text, der zunächst seinen Platz sucht. So begann auch der Abend mit „NiJo“: ruhig, konzentriert und mit Liedern, die weniger auf schnelle Wiedererkennung als auf Zwischentöne setzten.

Rund 130 Besucherinnen und Besucher waren am Samstag zum Hutkonzert der BäderKultur ins Alsfelder Erlenbad gekommen. Das Publikum hätte dabei kaum gemischter sein können: Junge Menschen saßen neben älteren Musikliebhabern, Stammgäste der Reihe neben neugierigen Erstbesuchern. Nicole Mitic und Jochen Müller hatten ihr Programm in zwei deutlich unterschiedliche Sets gegliedert und dem Abend damit eine Dramaturgie gegeben, die sich allmählich entfaltete.

Der erste Teil gehörte vor allem deutschsprachigen Titeln. „Dein ist mein ganzes Herz“, „Wer wir geworden waren“, „Leiser“, „Auf anderen Wegen“, „Liegen ist Frieden“ und „Liebe ist alles“ sind keine Lieder für den beiläufigen Konsum. Sie erzählen von Nähe und Entfremdung, von Beziehungen, Umwegen und dem, was zwischen Menschen unausgesprochen bleibt.

Nicole Mitic übernahm dabei den Gesang, Jochen Müller begleitete sie an der Gitarre. Sein Spiel blieb zurückhaltend und schnörkellos, gab den Songs Struktur und ließ den Texten Raum. Der erste Konzertteil lebte weniger von großen Gesten als von Konzentration, Melancholie und einem Repertoire, das auch gesanglich einiges abverlangte.

Nicht jeder Song muss überwältigen. Manche dürfen sich vorsichtig nähern, einen Gedanken anstoßen oder eine Erinnerung streifen. Genau darin lag der Charakter dieses ersten Sets: Es verlangte Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, sich auf leisere, weniger eingängige Stücke einzulassen.

Nach der Pause änderte sich das Temperament des Abends. Die Songs wurden bekannter, die Melodien zugänglicher und die Atmosphäre merklich gelöster. Nun zeigte sich zugleich, welche Titel besonders gut zu Nicole Mitics Stimme passten.

Bei Brandi Carliles „The Story“ konnte sie die rauen, emotionalen Facetten des Songs überzeugend entfalten. Die Steigerungen und Brüche des Stückes kamen ihrer direkten Art des Vortrags entgegen. Auch Radioheads „Creep“ gewann durch eine Interpretation, die Verletzlichkeit nicht inszenierte, sondern beinahe beiläufig stehen ließ.

Mit Dolly Partons „Jolene“ erhielt der zweite Teil zusätzliche Energie. Der längst zum Klassiker gewordene Titel blieb vertraut und bekam durch Mitics markanten Vortrag dennoch eine eigene Färbung. Gerade bei diesen englischsprachigen Songs entwickelte ihre Stimme eine Präsenz, die unmittelbar beim Publikum ankam.

Nun stimmte auch Jochen Müller häufiger gesanglich ein. Aus der Verbindung von Solostimme und Gitarrenbegleitung wurde stärker ein Duo. Seine Stimme ergänzte einzelne Passagen, setzte Kontraste und verlieh einigen Titeln eine zusätzliche Klangfarbe.

Mit „Schön genug“, „Vincent“, „Du trägst keine Liebe in dir“ und „Ohne dich (schlaf ich heut Nacht nicht ein)“ häuften sich die Wiedererkennungsmomente. Das Publikum blieb dabei überwiegend in der Rolle des aufmerksamen Zuhörers, reagierte jedoch zunehmend spontaner und mit kräftigerem Applaus. Die Vertrautheit der Melodien schuf Nähe, ohne dass daraus ein gemeinsames Singen werden musste.

„Bademeisterin“ sorgte für ein augenzwinkerndes Zusammentreffen von Lied und Veranstaltungsort. Der Titel benötigte keine weitere Erklärung – die Pointe saß auch so. Mit „Hymn“ und „Me and Bobby McGee“ setzte „NiJo“ den musikalisch offeneren Kurs des zweiten Sets fort.

Gerade der Wechsel zwischen beiden Konzertteilen machte den Reiz des Abends aus. „NiJo“ präsentierten keine beliebige Abfolge bekannter Songs, sondern zwei unterschiedliche musikalische Kapitel. Der erste Teil setzte auf deutschsprachige Texte, Nachdenklichkeit und Reduktion. Der zweite öffnete sich stärker in Richtung Rock, Pop und vertrauter Melodien.

Dabei ging es nicht um große Show oder spektakuläre Neuinterpretationen. Nicole Mitic und Jochen Müller hielten ihre Arrangements bewusst überschaubar und vertrauten auf die Substanz der Lieder. Mal stand der Text im Vordergrund, mal eine markante Melodie, mal ein Refrain, der im Gedächtnis längst seinen festen Platz gefunden hatte.

Am Ende war es vor allem die Entwicklung des Konzertes, die in Erinnerung blieb: vom ruhigen, textbetonten Beginn zu einem zweiten Teil, in dem vertraute Songs, stärkere Kontraste und eine gelöstere Atmosphäre mehr Raum erhielten.

Ein Abend, der leise begann und dennoch viele Menschen erreichte.

Übrigens: Statt eines festen Eintrittspreises setzte auch das Konzert auf freiwillige Wertschätzung für die Musiker und die ehrenamtliche Arbeit des Fördervereins Badefreunde, der die Veranstaltungsreihe organisiert. Ein Prinzip, das Kultur offen zugänglich hält und zugleich darauf vertraut, dass ein gelungener Abend seinen Wert nicht lange erklären muss.

 

Fotos / Text: Anja Kierblewski



 

 

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