Mit dem Ch(l)orkonzert ist die BäderKultur 2026 unter dem Motto „Ein Bad taucht ab in Kunst & Klang“ stimmungsvoll in ihre neunwöchige Veranstaltungsreihe gestartet – und das mit einem Abend, der eindrucksvoll zeigte, wie viel Atmosphäre ein leeres Schwimmbecken entfalten kann. Die besondere Akustik ließ die Stimmen durch den Raum schweben, trug sie über die Köpfe der Zuhörer hinweg und verlieh selbst bekannten Melodien eine neue Tiefe.
Den musikalischen Auftakt gestalteten die Alsfelder Ratssänger unter der Leitung von Manfred Merle. Die gestandenen Herren bewiesen dabei mit sichtbarer Freude, dass Lebenslust keine Frage des Alters ist. Mit schwungvoll vorgetragenen Schlagern und Evergreens – darunter „Mit 66 Jahren“ von Udo Jürgens, „Du entschuldige, i kenn' di“ von Peter Cornelius oder „Rote Lippen soll man küssen“ – sprang der Funke schnell auf das Publikum über. Bereits nach wenigen Minuten wurde mitgewippt, mitgeschunkelt und hier und da lauthals mitgesungen.
In der ersten Pause nutzten viele Gäste die Gelegenheit, sich mit kühlen Getränken sowie süßen und herzhaften Snacks zu versorgen, die die neuen Pächter der Schwimmbadgastronomie vorbereitet hatte und die ebenfalls zur entspannten Sommerabendstimmung beitrugen.
TonArt Schwarz unter der Leitung von Peter Jerabeck präsentierte anschließend eindrucksvoll, wie facettenreich moderne Chormusik sein kann. Das Repertoire reichte von „Benia Calastoria“ und „Bright Morning Stars“ über „The Lion Sleeps Tonight“ bis hin zu „Ich glaube“ oder „Regenbogenfarben“. Mit dem augenzwinkernden „Der perfekte Chor“ bewies das Ensemble Humor, bevor die Damen des gemischten Chors ihre Herren ins Publikum schickten und alleine unter anderem mit „Bring Me Little Water, Sylvie“ und „California Dreamin‘“ stimmungsvolle Akzente setzte.
Zum Finale übernahm die Voice Factory aus Altenburg unter der Leitung von Daniel Schuch das Becken. Der personell stark besetzte Chor überzeugte mit fein ausgearbeiteten Arrangements, in denen sich die einzelnen Stimmen zu einem dichten Klangteppich verbanden. Beispiele aus dem Programm wie „Sweet Dreams“, „Have a Nice Day“, „Music Was My First Love“ oder „Hello“ entfalteten in der besonderen Kulisse eine beeindruckende Wirkung. Den musikalischen Schlusspunkt des Abends setzte schließlich „I Want It That Way“ der Backstreet Boys. Die vertrauten Klänge ließen viele Besucher unwillkürlich mitsummen und sorgten noch einmal für einen jener Gänsehautmomente, in denen die besondere Atmosphäre des Hallenbadbeckens beinahe greifbar wurde.
Überhaupt war es die Mischung aus außergewöhnlichem Ort und spürbarer Nähe zwischen Publikum und Mitwirkenden, die den Abend prägte. Immer wieder entstanden jene kleinen Momente, die sich nicht planen lassen: ein Fuß, der unbewusst den Takt aufnimmt, ein vielstimmiger Refrain aus den Zuschauerreihen oder die fast greifbare Stille zwischen zwei Liedern. Auch die Chöre selbst zeigten sich begeistert von der Resonanz und der besonderen Akustik des Hallenbadbeckens.
Dass dieses überhaupt zur Kulturbühne werden konnte, geht auf eine Idee von Anja Kierblewski zurück. Gemeinsam mit Sabine Musaeus eröffnete die Vorsitzende des Fördervereins „Badefreunde“ die Veranstaltungsreihe und stellte vor allem das ehrenamtliche Engagement in den Mittelpunkt. Die BäderKultur lebe davon, dass viele Menschen ihre Zeit und ihr Können einbringen – auf, vor und hinter der Bühne. Bewusst werde auf klassische Eintrittspreise verzichtet; stattdessen gelte das Prinzip „für den Hut“, um Kultur für alle zugänglich zu machen.
Bürgermeister Stephan Paule, der die Schirmherrschaft übernommen hat, würdigte die Initiative als Bereicherung für die Stadt. Die Idee, während der Freibadsaison das ungenutzte Hallenbad mit neuem Leben zu füllen, sei in seinen Augen grandios. Zugleich hob er hervor, dass sich die politischen Gremien parteiübergreifend zum Erlenbad bekennen und dies zuletzt mit Investitionen von rund elf Millionen Euro in die Modernisierung des Bades unterstrichen hätten.
Der erste Abend der BäderKultur 2026 hat damit nicht nur musikalisch überzeugt. Er hat gezeigt, dass es manchmal genügt, den Blickwinkel zu ändern: Aus einem leeren Becken wurde ein Konzertsaal, aus einem vertrauten Ort eine neue Bühne – und aus einer ungewöhnlichen Idee ein Erlebnis, das Publikum wie Mitwirkende gleichermaßen begeisterte.
Die Veranstaltungsreihe geht bereits am kommenden Wochenende weiter. Am Samstagabend sorgt die Lauterbacher Band „Nova SX“ beim Rockkonzert im Freibad für den Soundtrack zum Sunset-Swimming und der Cocktailparty. Am Sonntagmorgen folgt mit „BADwoman“ die spitzige Lesung der gebürtigen Lauterbacherin Sabine Euler – ein Wochenende also ganz im Zeichen Vielseitigkeit der BäderKultur.




