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Rockig und besinnlich gelebte Integration

Über 300 Gäste feiern im Erlenbad den Saisonwechsel mit „Bandsalad“

ALSFELD (kiri). Die Mauer ist gefallen. Vor 30 Jahren zwischen West- und Ostdeutschland. Am Wochenende zwischen dem Hallenbad und dem Freibad – sinnbildlich. Mit einem großen Open-Air-Konzert läutete das Alsfelder Erlenbad erstmalig lautstark seine Sommersaison ein – mit Erfolg. Es war ein unvergesslicher Abend, an dem viele Gäste auf dem Heimweg sich mit Wünschen nach mehr Freibad-Konzerten verabschiedeten.

An dem Abend feierten alle gemeinsam, was man oftmals vergisst: Das Leben. Ausgelassen genossen über 300 Gäste des Schwimmbades, Freunde von Livemusik und richtige Ostrock-Fans jeden Alters die manchmal sanften, zwischendurch auch sehr rockigen Töne des Hauptakts des Abends: „Bandsalad“.

Hintergrund: An nur wenigen Orten wird Integration so gelebt, wie in einem Freibad – daher war die Entscheidung des Erlenbad-Teams um Geschäftsführer Ralf Kaufmann durchaus bewusst für die Band „Bandsalad“ als Protagonisten für das erste Konzert auf der Freibadwiese gefallen, denn die vier Bandmitglieder verdeutlichen mit ihrer Songauswahl aus Ost und West, dass die Sprache der Musik jegliches Kommunikationsproblem zu überwinden weis und dass an der Stelle weder Politik, Religion oder Nationalität eine Rolle spielen.

Bevor jedoch Jürgen Litzka, Bruno Frank, Matthias Karle und Niko Seim die Bühne zum Beben brachten, gab erst die Boyband aus Kirtorf – der Männergesangsverein Kirtorf – mit einem Auszug aus seinem diesjährigen Chorprojekt „Ostrock trifft Westsound“ ein Stell-dich-ein und warben für ihre Veranstaltung in vier Wochen, ebenfalls gemeinsam mit Bandsalad. Nach der Taktvorgabe von Irina Warkentin gaben die Jungs zwischen 30 und 80 mit Songs wie „An Tagen wie diesen“, „Über sieben Brücken“ oder „Alt wie ein Baum“ einen Vorgeschmack auf das, was Gäste auf dem oberen Kirtorfer Marktplatz erwarten wird.

Zur Ordnung rief dann ein alter Volkspolizist – in Uniform, mit sächsischem Dialekt und in der Funktion des Aufklärers stiefelte Kabarettist Holger Meier-Schabl vor die Bühne und stimmte ostalgisch ein: „Genossen und Genossinnen!“ Er sprach von den politischen Ereignissen – mit dem Humor eines Kabarettisten – die dazu geführt hätten, dass statt einer Ligusterhecke oder Milchglastrennwand eine hohe Mauer gebaut wurde, die ein „Herr Niemand“ in Auftrag gegeben habe. Die Westpresse sei daran nicht ganz unbeteiligt gewesen.

Mit einem großen Intro ließen sich die Musiker von Bandsalad, die bisher noch nicht vor so großem Publikum und vor allem Open-Air gespielt hatten, auf die Bühne begleiten – Entertainment pur, Leadsänger Jürgen Litzka wohl in die Liege gelegt. Nebelschwaden, Lichtinstallationen und richtig in Szene gesetzte Bühne – unter anderem umrandet mit den Fahrzeugen der Oldtimer Freunde Alsfeld, stilecht zur Zeit der beliebten Ostrocker – klangen die ersten Töne an und schon hatte Bandsalad die Freibadbesucher in ihren Bann gezogen.

Anfangs aufgrund der noch nicht einsetzenden Dämmerung noch etwas verhalten, auf den Bänken und Stühlen leise mitwippen oder klatschend, riss die Musik später einen Großteil der Gäste von den Hockern und manche sogar direkt vor die Bühne, wo nach zweieinhalbstündigem Programm und halbstündiger Zugabe richtig abgerockt wurde.

Wie könnte man auch still sitzen bleiben, wenn Lieder der Puhdys, von Karat, City, Ute Freudenberg oder Gerhard Gundermann durch die Lautsprecher über die komplette Wiese schallen. Wie beim exklusiven Sofakonzert im ErlenQuartier des Schwimmbades auch, zeigte sich, wie textsicher die Gäste waren, die bei Songs wie „Alt wie ein Baum“, „Jugendliebe“, „Blumen aus Eis“, „Am Fenster“, „Freude fürs Leben“, „Brigitta“ oder „Wir woll’n die Eisbären seh’n“ und „Über sieben Brücken musst du geh’n“ Teilpassagen der Songs „Bandsalad“ abnahmen.

Zwischen den Stücken lies Frontman Jürgen Litzka immer wieder bedächtig kleine Anekdoten verlauten, manchmal auch mit spitzem Zungenschlag, wobei er sich bemühte, nicht ganz so politisch zu sein. Ebenso wie der Schirmherr der Veranstaltung, Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule, der bei seiner Laudation lediglich sich den Scherz erlaubte, dass er sich in seinem aktuellen Wahlkampf auch so viele Zuhörer gewünscht hätte. Dem Bäder-Aufsichtsratsvorsitzenden war die Freude deutlich anzusehen, dass die Events des Erlenbad-Teams Resonanz finden und bat die Gäste darum auch weiterhin die Angebote zu nutzen, damit das Bad den eingeschlagenen Weg weiter gehen kann.

Das Engagement des Erlenbadteams belohnte auch der Wettergott, in dem er pünktlich zum Abend Sonnenschein und etwas wärmere Temperaturen vorbei schickte. „Aber nicht nur ihm sei Dank“, so Bäder-Chef Ralf Kaufmann, auch allen Beteiligten des Abend – neben den Musikern und Kabarettisten auch den Oldtimerfreunden Alsfeld, den Kooperationspartnern, hôtel villa raab und Konditorei Günther sowie den Mitgliedern des neugegründeten Fördervereins Bäderfreu(n)de, die unser Team tatkräftig bei der Verköstigung unserer Gäste unterstützt haben! Danke, das war ein genialer Abend mit euch... wir hoffen, ihr haltet uns weiterhin so die Treue, auch bei anderen Events, die wir für euch gestalten!“

Und das nächste Event – ebenfalls musikalische – steht schon vor der Tür. Kommenden Samstag spielt Milena Buck im ErlenQuartier (Seeterrasse oder Seecafé) ihr erstes Konzert wieder in Deutschland als Hutkonzert. Drei Tage später findet der Bademanteldienstag in der Alsfelder Saunalandschaft mit einer „Gartenparty“ statt und im Juni startet dann der Veranstaltungsreigen im leeren Hallenbadbecken mit klassischem Klavierkonzert mit der Familie Urvalov, mit einer Silent-Party, mit Lesungen, Vorträgen, Ausstellungen, Frontcooking sowie sportlichen Highlights wie Yoga in the Deep oder Beckenbodengymnastik auf dem Beckenboden.