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Der rote Faden der Liebe hält Einzug ins Quartier

BäderKultur: Hutkonzert mit „NiJo“ – Deutsche Popularmusik am Erlenteich

ALSFELD (kiri). Kunstnägel, senile Bettflucht und schwarzer Humor sind eigentlich nicht die üblichen Themen, wenn man sich mit einem Arzt und einer Frau, die hilfsbedürftige Menschen unterstützt und betreut, auf ein Bierchen triff, um mehr über ihre gemeinsame Leidenschaft zu erfahren: Die Musik! So geschehen kürzlich an einem sommerlichen Freitagabend am Ufer des Erlenteiches.

Nicole Mitic und Jochen Müller – kurz „NiJo“ als noch junges Band-Duo genannt – sind halt schon etwas Besonderes. Deshalb hat das Alsfelder Erlenbad den Gitarristen und die Sängerin auch zu einem Hutkonzert im Rahmen der Veranstaltungsreihe „BäderKultur“ engagiert und kann schon eines versprechen: Es wird ein einmaliger Abend, nicht nur instrumental und gesanglich, sondern auch wortgewaltig. Denn wer den Alsfelder Hausarzt Jochen Müller kennt, weiß, auf den Mund gefallen ist er nicht und er hat seinen ganz eigenen Humor, der unbedingt auch während des Konzertes zum Tragen kommen sollte.

So gestaltete sich auch das Interview vor ein paar Tagen im Biergarten des ErlenQuartiers. Natürlich wurde auch ernsthaft über Musik gesprochen, aber ohne eine riesige Portion (Selbst-)Ironie, außergewöhnlichem Humor und gegenseitigem Aufziehen ging es nicht. Angefangen bei der Frage: „Wie alt seid ihr?“ Trocken die Antwort: „Alt genug!“.

Im Mittelpunkt des Hutkonzertes am Freitag, 2. August 2019 – bei schönem Wetter im QuartierGarten direkt auf der Terrasse am Erlenteich, bei Kälte oder Regen im leergepumpten und mit Teppich ausgelegtem Hallenbadbecken – steht natürlich die Musik von „NiJo“, und die ist wunderschön. Nicole Mitic ist Sopranistin, singt aber dennoch mit einer Tiefe und Wärme in der Stimme, die unglaublich berührt. Auch Jochen Müller singt, aber wie er anmerkt „nur mit!“. Er konzertiert sich lieber auf die Gitarre, seine Leidenschaft, seitdem er in der Schule bereits mit 14 Jahren Kontakt zu dem Instrument aufgenommen hat. Viele Jahre später macht der Mitfünfziger andere Musik und hat auch schon einige Auftritte mit modernen Interpretationen im Fingerstyle erfolgreich gespielt.

Nicole singt schon immer gerne, behielt lange Zeit ihr Talent aber für sich – unverständlich, wenn man die ersten Töne ihrer Stimme hört, dann, wenn sie die Augen schließt und mit viel Gefühl den Texten Emotionen verleiht. Irgendwann fand sie den Weg zum Chor „Soundhaufen“ in Maulbach, stieg aber nach zehn Jahren wieder aus, weil ihr als Mutter nicht so viel Zeit blieb. Seit der Zeit sang sie alleine für sich – im Karaokestyle auch gerne im Wohnzimmer, das ihr Mann mit einer guten Anlage ausgestattet hatte, um die Leidenschaft seiner Frau zu unterstützen – und wurde zunehmend für Auftritte in Kirchen anlässlich von Hochzeiten, Taufen oder Beerdigungen gebucht.

Über eine Patientin in der Pflege wurde der Veranstalter der Trevor Richards Konzerte im Heimatshausen auf sie aufmerksam und engagierte sie für sein inzwischen schon traditionelles Fest im Spätsommer. Damit war das Schicksal von „NiJo“ – so würde man es in der Bildzeitung lesen – besiegelt.

Jochen Müller war als Gast auf dem Scheunenfest, sah und hörte Nicole das erste Mal zum instrumentalen Playback singen, dachte sich „das geht besser!“ – und sprach sie an. Das ist nunmehr ein Jahr her, seitdem üben die Beiden unregelmäßig in Müllers Praxisräumen in Alsfeld, im gegenüberliegenden Probenkeller oder auch am Ursprungsort Nicoles Gesangskarriere, im Familienwohnzimmer in Arnshain.

Stücke von Lina Maly, Yvonne Catterfeld, Julia Engelmann, Andreas Bourani oder Sarah Conner – deutschsprachige Popularmusik und aus der Neuen Deutsche Welle – haben Einzug ins Repertoire der Beiden gefunden. Von unterschiedlichen Musikrichtungen kommend, sei es eine Herausforderung, Kompromisse bei der Liedauswahl zu schließen – aber mit der Zeit falle es immer leichter und vor allem habe sich ungeplant ein roter Faden durch das Liedgut von „NiJo“ gezogen: Die Liebe! Die Liebe zwischen Menschen, die Selbstliebe, die Liebe zur Umwelt oder wie liebe ich die Welt sind Themen, die in den Songs der beiden Musiker zur Sprache kommen. „Schön genug“ ist dabei ein Lieblingslied von Nicole, Jochen findet Sarah Conners zunächst umstrittene Veröffentlichung „Vicent“ besonders gut.

Während des Auftritts im Rahmen der BäderKultur werden diese Stücke gecovert, zum Genießen oder auch Mitsingen eingeladen, und auch die Frage geklärt, warum der Hausarzt an der rechten Hand so lange Fingernägel hat. Die er übrigens – natürlich nicht zu Praxiszeiten – regelmäßig feilt. Müller: „Zwei Fingernägel sind mir abgebrochen, hoffentlich wachsen sie bis zum 2. August nach, denn mit Kunstnägeln komme ich nicht so gut zurecht!“. Sprach er, grinste, und beendete mit einem Schluck von seiner Apfelsaftschorle – er ist nicht so der Wassertyp, weswegen er ja auch nur mit Nicole im leergepumpten Hallenbadbecken zu spielen bereit ist – und beendete das Interview. Bis zum 2. August. Dann geht’s weiter, und zwar ab 20 Uhr am Erlenteich.