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„Das war die beste Party meines Lebens!“

Trotz schlechter Resonanz kein Flop: Silent-Party begeisterte im Hallenbad

ALSFELD (kiri). „Alsfeld ist noch nicht bereit für so ein Event“ – so lautet das Fazit der Veranstalter des ersten Alsfelder Silent-Events, das Erlenbad in Alsfeld. Im Rahmen der neuen Veranstaltungsreihe BäderKultur hat am Samstagabend im leergepumpten Hallenbadbecken die erste Kopfhörerparty in der Region stattgefunden, leider nur mit mäßigem Besuch. Dieser war allerdings vollauf begeistert, hat bis zum letzten Lied richtig Party gemacht, ekstatisch getanzt und empfand es – wie auch beworben – als die beste Party des Jahres, die nach Wiederholung schreit.

„Ob wir dies machen, ist allerdings noch fraglich“, meint Anja Kierblewski, Organisatorin der BäderKultur. Denn sowohl die Miete der speziellen Kopfhörer, extra aus Hamburg eingeflogen, als auch das DJ-Team stellen Fixkosten da, die zumindest rauskommen müssen. Auf der Suche nach der Ursache stellten sich die Organisatorin mehrere Fragen: Lag es am Termin am ersten Ferienwochenende? An den hohen Außentemperaturen? An zu vielen Konkurrenzveranstaltungen? Oder daran, dass noch zu wenige mit dem Begriff „Silent-Party“ etwas anfangen können?

„Wir denken, es liegt daran, dass die Vogelsberger noch nicht wirklich wissen, was eine Silent-Party ist“, meint Andreas Scheufele von PowerPlay, der zusammen mit zwei anderen DJs, Thomas Scheufele und Christopher Kelbassa, an dem Abend um die Gunst der Tänzer gebattlet hatte. „Wir hatten die Woche mehrere Anfragen, wie so eine Party funktioniert, ob man eigene Kopfhörer und Handy mitbringen muss und dann einfach nur tanzen geht? Auch wenn diese Form der Party in den Metropolen Europas und auf den beliebten Kreuzfahrtschiffen der Hype ist, hier hat man offensichtlich noch nicht so viel davon mitbekommen.“

„Vielleicht war es auch der Eintritt von 12 Euro an der Abendkasse, der abgeschreckt hat, wobei der absolut gerechtfertigt ist“, meint Bäder-Geschäftsführer Ralf Kaufmann. „Denn im Eintritt enthalten sind ja nicht nur die Musik und die ganze Musiktechnik mit speziellen Lichteffekten, die hier im Hallenbad an der Spiegeldecke einmalig ist, sondern auch die Leihgabe ohne Pfand der hochwertig technischen Kopfhörer sowie natürlich auch die besondere Location im leeren Hallenbadbecken, das auch entsprechend hergerichtet werden musste.“

Aber wie ging die Party eigentlich ab – und die rund 60 Gäste? Jeder Gast bekam am Eingang einen Kopfhörer, der per Funk mit den drei DJs unter der Galerie des Hallenbades verbunden war. Über drei Kanäle konnte man sich selbst aussuchen, welche Musik man gerne hören möchte und auch wie laut. Auf Kanal 1 spielte Thomas Scheufele Schlager, Hüttengaudi, Aprés-Ski und Malle-Party-Musik, auf Kanal 2 legte sein Bruder Andi HipHop, Techno, House und Musik aus den 80er, 90er und 2000er auf und DJ 3, Christopher Kelbassa, forderte mit typischen Calypso-Klassikern seine Fans zum gedankenverlorenen Abtanzen auf.

Die Gäste wählten und wechselten immer wieder zwischen den Kanälen – je nachdem, welche Musik sie mochten. Viele switchten zwischen den Frequenzen hin und her, manchmal von Lied zu Lied, so dass sie immer wieder im Partystimmung blieben, auch wenn ihnen ein Titel auf ihrem „Stammkanal“ gerade nicht so gefiel. Auch die DJs legten sich richtig ins Zeug, denn am Ende des Abends wollte keiner der „Verlierer“ sein, der am wenigsten Zuhörer hatte.

Im Becken leuchteten die Kopfhörer verschiedenfarbig – je nach gewähltem Kanal – die Gäste hatten Spaß, tanzten in der Tiefe des leergepumpten Hallenbadbodens zu ihren Rhythmen, chillten im Nichtschwimmerbecken oder in der BikiniBar und erfrischten sich an den zwei Theken, wovon eine ausnahmsweise im ebenfalls leergepumpten Mutter-Kind-Becken installiert war.

Auch wenn man mal eine Tanzpause einlegte, die Kopfhörer kurz von den Ohren nahm, hatte man seinen Spaß: beim Zuhören. Denn in dem eigentlich ungewöhnlich stillen Raum der Partylocation hörte man dann die Menge mitsingen – im Chor, alleine oder gegeneinander – laut, ungehemmt und voller Freude. Besonders stimmungsvoll war es, als spät nach Mitternacht auf allen Kanälen zum Abschied die gleichen Lieder gespielt wurden und alle Gäste gemeinsam, ohne sich gegenseitig zu hören, erstaunlich laut jeder in seiner eigenen Interpretation zu den Backstreet Boys oder Toten Hosen mit „An Tagen wie diesen…“ lauthals mitgrölten.

„Wir kommen wieder!“, „Macht das bitte noch mal!“, „Wir bringen ganz viele Freunde mit!“ und „Das war die beste Party meines Lebens!“ riefen die Gäste, die geschlossen die Party lange nach dem eigentlich letzten Song verließen, dem Erlenbad-Team zu. Mit von der Partie wären die DJ’s des Musikteams auf jeden Fall, denn „es war am Anfang ganz ungewohnt, Musik aufzulegen und im Raum ist es still, aber auch für uns war es die beste und stimmungsvollste Party, die wir jemals hatten – und dass, obwohl wir sonst mit über 1000 Leuten feiern und hier noch nicht mal mit einem Zehntel davon!“ 

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BU 1: Ein ungewöhnliches Bild: In der Tiefe des Alsfelder Hallenbadbeckens feierten Gäste jeden Alterns mit Kopfhörer und individuell gewählter Musik eine außergewöhnliche „stille“ Discoparty. Foto: Anja Kierblewski