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Das Element „Wasser“ im Focus der Kunst

Samstag Vernissage der Ausstellung „Breathtaker“ von Britta Jakobi

ALSFELD (kiri). Das Haar mit einem bunten Band zurückgehalten, mit beiden Beinen auf dem Boden geerdet und den Pinsel in der Hand – so sieht man Britta Jakobi oft, wenn sie einen Einblick in ihre Künstlerwelt gewährt. Die 52-jährige Alsfelderin ist leidenschaftliche Malerin, hat innovative Ideen und macht in den letzten Jahren nicht nur vor Ort sondern auch überregional von sich reden. Am Samstagabend eröffnet sie ihre Ausstellung „Breathtaker“ im Rahmen der Veranstaltungsreihe „BäderKultur“ im Alsfelder Hallenbad.

Die Idee der BäderKultur-Organisatorin, im leergepumpten Hallenbadbecken die Sommermonate über eine Ausstellung von Jakobis Exponaten zum Thema Unterwasserwelt zu installieren, begeisterte die kreative Frau sofort. Die gebürtige Kirtorferin ist nämlich eine regelrechte Wasserratte – schon als Kind hat sie jahrelang im Verein geschwommen, ist Surferin, Schnorchlerin und vor allem auch Stammgast im Alsfelder Erlenbad. Bei der Besichtigung des wasserleeren Beckens im Sommer 2018 fing sie sofort an, gedanklich ihre Bilder zu platzieren und nahm sich auch vor, noch weitere – überdimensionale Bilder – zu malen.

So war sie tatsächlich die Woche vor der Ausstellungseröffnung noch ein paar Tage im „Malurlaub“ und fertigte drei technisch wunderbar gelungene Turmspringermotive an, die ebenfalls ab Samstag im Alsfelder Hallenbadbecken hängen werden.

Die Malerei hat Britta Jakobi – genau wie das Element Wasser – schon ein Leben lang begleitet. Bereits in der Schule fiel es ihr leicht, etwas darzustellen, andersartige Dinge zu probieren und immer wieder neue Inspiration und Ideen zu finden. „Ich hätte auch am liebsten einen Kunst-Leistungskurs bei unserer tollen Kunstlehrerin belegt, aber wir waren leider nicht genügend Interessenten“, erinnert sie sich.

Also nahm sie „schnöde“ Leistungskurse, begann eine Berufsausbildung, startete mit 30 Jahren noch mal ein BWL-Studium, arbeitete fleißig als Prozessoptimiererin bei der AOK Hessen, hielt die ihr zugeteilten Teams am Laufen, bediente das Management und erreichte zielstrebig die vom Arbeitgeber gesetzten Ziele. „Das hat mich total vereinnahmt. Ich war nur noch mit Prozessoptimierung, statistischen Auswertungen und Veränderungs-prozessen  beschäftigt“, zieht sie ein persönliches Resümee. „Ich bin überzeugte Prozess- und Organisaitonsentwicklerin, aber mir hat was gefehlt!“

Also nahm sie sich die Zeit und überlegte, was sie ihr ganzes Leben lang schon wollte, wofür sie sich schon immer begeistert hat und wobei es ihr richtig gut ging. Schnell war die Antwort gefunden: „Die Kunst!“

Die Schirn, das Städel, selbst die Documenta mit ihrer zeitgenössischen Kunst, begeisterten sie immer wieder und zogen sie an. Also nahm sie sich vor, dank vieler Überstunden war das möglich, nebenberuflich ein paar Semester Kunst an der Frankfurter Malakademie zu absolvieren. Sie wählte Aktzeichnen, lernte es von der Pike auf, die Basis alles künstlerischen Könnens, ihrer Meinung nach. In den Folgejahren probierte sie sich aus – mit unterschiedlichen Farben und Materialien, besuchte weitere Kurse, bildete sich fort und suchte vor allem auch den Austausch mit anderen Künstlern – wie beispielsweise in den Kunstvereinen Alsfeld und Fulda. „Gerade der Fuldaer Verein ist sehr aktiv, da findet ein reger Austausch statt, es ist ein konstruktives Miteinander“, begründet sie ihr Engagement in Osthessen. „Wir stellen uns gegenseitig die Exponate und Objekte vor und prüfen, ob das Bild funktioniert, was jeder wahrnimmt und ob es konzeptionell gut aufgebaut ist.“

Britta Jakobi spielt beispielsweise gerne mit Widersprüchen – so ist ein Teil des Bildes meist realistisch gemalt, der andere Teil eher abstrakt. „Kunst ist Kommunikation und es ist interessant, wie die Menschen darauf reagieren und was sie in dein Bild hineininterpretieren.“ Als Künstlerin sollte man die Fähigkeit besitzen, die Aussage oder Emotion dem Betrachter rein visuell zu vermitteln.

Die bis zum 16. August 2019 ausgestellten Werke Jakobis verdeutlichen das Markenzeichen der Künstlerin: Nicht nur die Kombination und Widersprüchlichkeit in der Abstraktion und Realität, sondern auch das Spiel mit den Naturelementen. In jeder ihrer Serien – beispielsweise auch die Serie „FlowerPower“, in den Frauen von Blumen gekrönt sind – findet sich Natur wieder. „Wir gehören zur Natur, trotzdem entfernten wir uns zu weit von ihr und nun treten die Probleme mit dieser Respektlosigkeit auf.“ Daher stecke in den Exponaten der Alsfelderin auch immer eine tiefgründige Botschaft.

Auch bei der aktuell zu sehenden Ausstellung im Hallenbadbecken: Nicht nur, dass Wasser das Lieblingselement der Künstlerin ist und sie sich dort gerne aufhält, wegen des „Schwebezustandes, der Leichtigkeit und Unbeschwertheit“, sondern auch weil sie in Wasser- und Sonnenenergie die Lösung der globalen Energieprobleme sieht. „Das Element Wasser ist unglaublich spannend, auch wegen seiner chemischen Bestandteile“, erläutert sie ihre Gedanken dazu. „Das Wasserstoffmolekül ist so reaktiv, dass es sich immer mit einem anderen Molekül verbindet und es entsteht und wächst so viel Energie und  Leben!“

Das Meeresleben beispielsweise würde sie verzaubern, es sei eine ganz andere Welt, teilweise auch bizarr. „Haut unter Wasser sieht ja schon auch etwas kränklich aus. Manche Bilder sehen deswegen vielleicht auch aus wie Leichen“, reflektiert die erfolgreiche Künstlerin. „Aber ich bin ja auch Fan von Lucian Freud und Jenny Saville, die auch ihre englischen Mitmenschen sehr blass gemalt haben. Und ja, ich mag schon auch das Morbide, es gehört einfach zum Leben dazu.“

Am kommenden Samstag, 13. Juli 2019 um 18.00 Uhr, wird nun also die Ausstellung „Breathtaker“ im Hallenbadbecken – einer ungewöhnlichen aber beeindruckenden Location – eröffnet. Lebendig. Denn musikalisch begleitet wird die Vernissage von „Frau Heidi und Ihr Herr Dotter“.

Was die Künstlerin sich von der Ausstellung, die werktags von 17 bis 21 Uhr und am Wochenende von 14 bis 21 Uhr geöffnet ist verspricht? „Ich wünsche mir viele Besucher und spannende Gespräche. Und ich erhoffe mir gerade im Schwimmbad mal ein ganz andres Publikum, das sich angeregt mit dem Thema Wasser auseinandersetzt.“

Die Künstlerin selbst wird jeden Samstag von 14 bis 14:30 Uhr eine Führung durch die Ausstellung geben und zum gemeinsamen Gespräch einladen. Die Besichtigung der Ausstellung ist kostenfrei, es wird aber eine Spendenbox zugunsten des neu gegründeten Fördervereins „Badefreu(n)de“ aufgestellt, der zum Erhalt und der Attraktivierung des Schwimmbades beiträgt.

Die Finissage der Ausstellung ist für den 16. August 2019 geplant, anlässlich dieser gibt es einen Vortrag von Lokalhistoriker Matthias Nicolai zum Thema „50 Jahre Hallenbad – Vom Baden in alter Zeit“. Musikalisch umrandet wird der Vortrag von Gitarristin Martina Melikian, welche bereits vor zwei Jahren im Güterbahnhof in Alsfeld die Besucher verzauberte.    ,

Vorher besteht aber noch die Möglichkeit, sich selbst in der Unterwasserportraitierung auszuprobieren. Am Samstag, 3. August 2019, bietet Britta Jakobi einen Malworkshop im Hallenbad an. Anmeldung für den Tagesworkshop nimmt das Erlenbad unter 0 66 31 / 182 813 entgegen.