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Eine Portion Mut für den Sprung ins kalte Wasser

Pressemeldung

Jeder vierte Erwachsene kann nicht schwimmen – Alsfelder

Erlenbad bietet erfolgreich Schwimmkurse in diskretem Umfeld an

 

ALSFELD (kiri). „Der Kopf, der Kopf ist mir einfach im Weg…“ flucht Iana ein wenig vor sich hin. Sie ist ehrgeizig. Mit Feuereifer ist sie bei der Sache – wenn der Kopf und die darin sich ausbreitende Angst nicht wären! Sie traut sich einfach noch nicht von der Balustrade ins Wasser zu springen. Iana* ist eine von neun Erwachsenen, die jetzt den Mut hatten, einen Schwimmkurs im Alsfelder Erlenbad zu machen. Ein Angebot des Hallenbades, das zunehmend immer mehr Zuspruch gewinnt.

Jeder vierte Erwachsen in Deutschland kann nicht schwimmen. Gründe dafür gibt es viele: Beispielsweise hatte man als Kind keinen Zugang zum Schwimmbad oder Naturgewässern, hat traumatische Erfahrungen gemacht und das kühle Nass bisher vermieden oder war zum Zeitpunkt des schulischen Schwimmunterrichts – wenn es diesen überhaupt überall gab – langfristig krank.

So war es beispielsweise bei Michael*. Der heute 44-Jährige hatte in der dritten Klasse eine schwere Herzoperation. Sport war damit für eine Zeit lang untersagt. Danach gab es irgendwie keinen Grund mehr es zu lernen, denn Schwimmbadgänger war seine Familie nicht. Dass er jetzt wieder den Weg ins Bad gefunden hat, hat er seiner Frau Dora* zu verdanken.

Dora ist Kenianerin. Ihre Brüder können alle schwimmen. Sie hat es aber auch „irgendwie“ nicht gelernt. „War bei uns so“, erzählt die 31-Jährige, und lacht dabei freundestrahlend. Mit ihrem Charme hat sie es auch geschafft, ihren Mann davon zu überzeugen, mit ihr gemeinsam einen Schwimmkurs zu belegen. „Ich habe ihm den Kurs einfach zu Weihnachten geschenkt!“.

Das junge Paar liebt Urlaube in warmen Gefilden, das Plantschen im Pool oder im offenen Meer. „Bisher sind wir allerdings immer nur bis zur Brusthöhe rein – stehen mussten wir noch können“, erinnert sich Michael. „Das hat jetzt hoffentlich ein Ende!“

„Sicher!“, ist Michael Weber, der Schwimmlehrer des Alsfelder Erlenbades, zuversichtlich. Er weiß: „Man muss sich erst einmal trauen, den ersten Schritt zu machen, sich bei dem Schwimmkurs anzumelden. Ist diese Hürde genommen, läuft es.“ Weber bietet schon seit vielen Jahren in der Wintersaison außerhalb der regulären Öffnungszeiten Schwimmkurse für Erwachsene an.

Außerhalb der Öffnungszeiten deshalb, da die erwachsenen Nichtschwimmer sich oftmals schämen. Dabei gibt es dazu gar keinen Grund. Dennoch wirkt das Erlenbad mit seinem Angebot dem entgegen, weiß von der Scham und den Vorbehalten, und holt deshalb die Nichtschwimmer dort ab, wo sie von Kopf und Können stehen: In den ersten Stunden geht es um Wassergewöhnung – mal das Gesicht unter Wasser, ins Wasser atmen oder sich auch mal tragen lassen. Dann kommen langsam die ersten Bewegungsübungen von Brust und Beinen. In Kombination – auch noch mit dem richtigen Atmen – ist das schon eine Herausforderung.

„Ich habe die Beinbewegung erst überhaupt nicht verstanden und mich immer mit den anderen verglichen, ich wollte mich doch nicht blamieren“, erinnert sich Iana einige Schwimmstunden zurück. „Aber dann ist irgendwann der Knoten geplatzt und jetzt läuft es. Nur das Springen klappt noch nicht, da habe ich noch zu viel Angst.“

Den Vergleich mit anderen und die Scham kennt auch Anna* zu genüge. Die 32-jährige Mutter zweier Kinder hat von der Gote ihrer Tochter den Schwimmkurs geschenkt bekommen. Denn die Patin war der Meinung, wenn die Tochter schwimmen lernt, müsst es die Mutter jetzt auch. „Es war schon schwierig für mich, mich zu überwinden, denn ich habe als Kind eine traumatische Erfahrung gemacht und in unserer Schule gab es auch keinen Schwimmunterricht.“

Ihre Motivation, den Schwimmkurs tatsächlich auch durchzuziehen, war ihre Tochter. „Sie macht irgendwas und ich kann ihr nicht helfen…. oder auch mit zwei Kindern in Schwimmbad zu gehen, wenn man nicht schwimmen kann – das geht nicht!“ Und bevor sie ihren Kindern die Freunde daran nimmt, in heißen Sommern das Freibad meidet, hat sie aus Liebe zu ihren Töchtern ihre Angst überwunden und sprichwörtlich den Sprung ins kalte Wasser gewagt.

Diese Gedanken und Gefühle kennt auch Rüdiger*. Der 39-Jährige hat von einigen Jahren schon mal in einem anderen Bad einen Anlauf genommen, das Schwimmen zu lernen. Allerdings war dies während des öffentlichen Badebetriebs. „Ich hatte das Gefühl, es steht mir auf der Stirn geschrieben, dass ich nicht schwimmen kann und alle beobachten mich!“ In der Schule hatte Rüdiger keinen Schwimmunterricht und später hat er sich nicht getraut, die Scham war einfach zu groß. „Mir macht es momentan noch Schwierigkeiten den Kopf beim Brustschwimmen richtig aus dem Wasser zu bekommen“, gibt der Enddreißiger zu. „Das kriegen wir noch hin!“, ermuntert ihn Michael Weber.

Der Bademeister und Schwimmlehrer des Alsfelder Erlenbades hat kurzerhand den Erwachsenenschwimmkurs um ein paar Stunden verlängert. Er möchte, dass alle seine Schwimmschüler sich sicher im Wasser fühlen, damit sie sich nicht mehr ausgegrenzt fühlen, entspannt während des Urlaubs im Meer baden gehen können und Spaß am Schwimmsport haben.

„Ja, es zieht ja Kreise, wenn man nicht schwimmen kann. Man überlegt sich, fahre ich mit Freunden überhaupt mit in den Urlaub oder an einen See, gehe ich in die Sauna, was für eine Ausrede kann ich finden...“, erinnert sich Iana an die Zeit vor dem Schwimmkurs. „Damit ist jetzt glücklicherweise Schluss, es ist ein schönes Gefühl und wir sind mit Stolz erfüllt, dass wir jetzt Schwimmen können, gell?!“, blickt Iana, das Küken des illustren Schwimmkurses, in Runde und erntet strahlende Zustimmung. Und Michael ergänzt: „Und im Sommer wechseln wir die Becken – vom Nichtschwimmer ins Schwimmer!“

*Die Namen sind von der Redaktion geändert.

+++ Text & Bild: Anja Kierblewski / PR.Agentur MARLIK



 

 

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